Ankleideraum planen: Grundlagen für die erste Idee
Bevor du die ersten Möbel bestellst, steht die Raumanalyse. Ein Ankleideraum funktioniert ab ca. 4 m², ideal sind 6–10 m². Kleiner als 4 m² bietet sich eine Ankleide-Nische an — z. B. ein begehbarer Bereich hinter einer Schiebetür im Schlafzimmer oder ein umgebauter Abstellraum.
Das Wichtigste zuerst: Nimm Maß. Deckenhöhe (Standard 2,30–2,80 m, bei Altbau oft mehr), Fenster- und Türpositionen sowie Steckdosen und Heizkörper bestimmen, wo du Regale und Schranksysteme platzieren kannst. Skizziere eine Draufsicht auf Rasterpapier oder nutze kostenlose Planer-Tools wie den IKEA-Planungsassistenten oder den Online-Konfigurator von Elfa.
Bei der Aufteilung gilt die 60-30-10-Regel der Ankleidezimmer-Planung: 60 % der Fläche entfallen auf hängende Kleidung (Oberbekleidung, Kleider, Anzüge), 30 % auf gefaltetes und gestapeltes Textil (Shirts, Jeans, Pullover in Fächern), 10 % auf Accessoires wie Schuhe, Taschen und Schmuck. Diese Gewichtung gilt als Ausgangspunkt — passe sie an deinen tatsächlichen Kleidungsbestand an.
Licht ist im Ankleideraum kritisch unterschätzt. Tageslicht durch ein Fenster ist optimal, aber selten. LED-Streifen in Regalen und Schränken sowie deckenbündige Spots sorgen dafür, dass Farben korrekt wirken und du nichts suchst. Marken wie Paulmann und LEDVANCE bieten speziell für Schrankbereiche entwickelte Lichtlösungen ab ca. 30 € pro Meter.
Entscheide frühzeitig: offenes Regalsystem oder geschlossenes Schranksystem? Offene Ankleide-Regalsysteme wirken luftiger, sind günstiger und zeigen die Kleidung als Gestaltungselement. Geschlossene Schranksysteme schützen vor Staub und eignen sich besser, wenn der Raum auch als Durchgang dient. Viele Planer kombinieren beide Ansätze: offene Schuhregale und Schmuckfächer, geschlossene Abschnitte für Unterwäsche und saisonale Kleidung.
Ein weiterer Planungsschritt ist die Wegeführung. Halte mindestens 60 cm Bewegungsfläche zwischen gegenüberliegenden Elementen frei — besser sind 80–90 cm, damit du Schubladen und Türen vollständig öffnen kannst, ohne anzustoßen.
Regalsysteme für Ankleidezimmer im Vergleich
Das Herzstück jedes Ankleideraums ist das richtige Regalsystem. Der Markt teilt sich grob in drei Kategorien: modulare Schranksysteme zum Selbstzusammenstellen, wandmontierte Regalsysteme und maßgefertigte Einbaulösungen.
IKEA PAX mit Komplement-Inneneinrichtung gilt als meistgekauftes Ankleidezimmer-System in Deutschland. Korpus-Breiten von 50, 75 und 100 cm, Tiefen von 35 und 58 cm, Höhen von 201 und 236 cm erlauben nahezu jede Raumkombination. Schiebetür-Sets (Hasvik, Auli) machen PAX zum geschlossenen Schrank; ohne Türen entsteht ein offenes Regal-Ankleidezimmer. Preis für eine vollausgestattete PAX-Wand (ca. 300 cm Breite): 600–1.200 €.
Elfa von Elfa Deutschland ist das Premium-Pendant: ein wandmontiertes Schienen-System, bei dem alle Elemente — Kleiderstangen, Schubladen, Körbe, Schuhregale — auf vertikalen Wandschienen hängen. Der entscheidende Vorteil: Höhenanpassung ohne Werkzeug in Minuten. Elfa wird exklusiv bei The Container Store und über deutsche Fachhändler verkauft; eine komplette Ankleide-Wand kostet 800–2.500 €, je nach Breite und Ausstattung.
Nolte Möbel und Hülsta bieten Einbauschrank-Systeme im gehobenen Segment. Nolte Concept Me etwa kombiniert Holzdekor-Fronten (u. a. Eiche, Weiß Matt) mit einem ausgefeilten Innenausbau: Hosenauszüge, beleuchtete Schmuckeinsätze, Liftbeschläge für hohe Kleidungsstücke. Preise für eine Nolte-Lösung: ab ca. 2.000 € für einen Einzel-Bereich, 4.000–8.000 € für einen kompletten Raum.
Westwingnow und Kare führen Regale für Ankleidezimmer im Lifestyle-Segment: z. B. das Kare Regal Luxury Rack aus pulverbeschichtetem Stahl mit Marmoroptik-Elementen, ca. 450–700 €. Diese Lösungen sind weniger modular, punkten aber mit optischer Wirkung.
Für Budgetorientierte ist das System Flexi Storage (erhältlich über Otto) eine valide Option: Metallrohre und Holzböden auf Wandschienen, Breiten 60–180 cm, Preis ab 80–200 € je Modul. Kein geschlossenes System, aber flexibel erweiterbar.
Bei der Wahl des Regalsystems solltest du auf drei Kriterien achten: Tragkraft pro Boden (mind. 20 kg, besser 30 kg), Anpassbarkeit in der Höhe (Rastermaß 32 mm ist Standard) und Kompatibilität mit Beleuchtungs-Zubehör. Günstige Systeme ohne Zubehör-Ökosystem schränken dich bei späteren Erweiterungen ein.
Ankleidezimmer Möbel: Was wirklich zum System gehört
Ein Ankleidezimmer ist mehr als ein Schrank. Zu einer durchdachten Möblierung gehören neben dem Regalsystem mindestens eine Kommode, ein Ganzkörperspiegel, Haken- und Accessoire-Lösungen sowie eine Sitzmöglichkeit.
Kommoden für den Ankleideraum: IKEA Hemnes (Kiefer lackiert, 3 oder 8 Schubladen, ca. 130–200 €) ist der Klassiker. Hochwertiger ist die Commode Serie Calby von BoConcept (individuell konfigurierbar, Preis ab ca. 900 €). Wer Wert auf Metallfronten legt: Hay Colour Cabinet (ca. 350–500 €) oder USM Haller Sideboard (ab ca. 1.800 €) bringen ein klares, zeitloses Designstatement in den Ankleideraum.
Spiegel: Ein Ganzkörperspiegel ist Pflicht — idealerweise wandfest montiert, um Sturzsicherheit zu gewährleisten. Zeitloser Klassiker: Ikea Hovet (ca. 130 €, 78×196 cm, Aluminium-Rahmen). Premium: der Spiegel Spinder Design mit Eichenholz-Rahmen (ca. 350 €) oder individuell gefertigte Spiegel von Deknudt Mirrors (ab ca. 250 €).
Zusatzmöbel und Accessoires: Offene Schuhregale (z. B. Ikea Hemnes Schuhschrank, 4–6 Fächer, ca. 80–130 €; oder Schuhregal Made.com Perch, Stahl, ca. 60–90 €), Schmucktabletts (z. B. Brabantia ReNew, ca. 15–30 €), Hakenleisten (Umbra Trigg, Wandhaken in Messing oder Chrom, ca. 20–40 €) und Körbe für offene Regale (Seagrass-Boxen von Zara Home, ca. 20–50 € je Stück) sind sinnvolle Ergänzungen.
Bei Möbel für Ankleidezimmer gilt: Halte ein konsistentes Material- und Farbkonzept durch. Mische nicht mehr als zwei Holz-Töne und ein Metallfinish. Typische Kombination im aktuellen Design-Trend: Weiß Matt + Eiche Natur + Messing. Oder Anthrazit + Schwarz Matt + Gebürstetes Nickel für einen maskulineren Look.
Beleuchtung als Möbel-Ergänzung: Einbau-Spots und LED-Schienen von Paulmann (z. B. Paulmann Cabo, dimmbar, ca. 25 € pro Spot) oder das Puck-System von IKEA Urshult (wiederaufladbare LED-Spots ohne Kabel, ca. 20–30 € pro Stück) lassen sich in Schrank-Oberböden und Regalkörpern verbauen. Achte auf Farbtemperatur um 3.000 K (warmweiß) für ein angenehmes Ambiente und 4.000 K in Schminkspiegel-Nähe für farbechtes Licht.
Sitzmöglichkeit im Ankleidezimmer: Komfort und Funktion
Eine Ankleidezimmer-Sitzmöglichkeit ist kein Luxus, sondern ein funktionales Muss. Beim Schuhe anziehen, beim Überlegenlegen einer Kombination oder beim Schmuck anlegen braucht man einen Platz zum Setzen — und am besten einen, der gleichzeitig Stauraum bietet.
Die populärste Lösung ist die Sitzbank mit Stauraum. Klassiker sind die Ikea Hemnes Truhenbank (ca. 100–130 €, Innenraum ca. 55 Liter) oder die Bank Benno von Maisons du Monde (gepolstert, Samtstoff, ca. 180–250 €). Für gehobene Ansprüche: die Bank Eichholtz Tribeca (Leder + Messingbeine, ca. 400–650 €) oder der Puff Bloomingville Aya (Bouclé, rund, ca. 120–180 €).
Hocker sind kompakter und lassen sich leicht wegräumen. Klassiker: Ikea Marius (rund, Metall, ca. 10 €) als Zweckhocker oder der Hay About A Stool AAS 38 (Eiche/Stahl, ca. 200–250 €) als Designstück. Ottomans mit Samt-Bezug (z. B. von H&M Home, ca. 60–120 €) verbinden Optik und Komfort.
Ein Sessel ist die komfortabelste Sitzgelegenheit im Ankleidezimmer, braucht aber Platz (mind. 80×80 cm Grundfläche + 50 cm vor der Sitzfläche). Kleines Modell: der Fauteuil Hay Mags Soft (ca. 700–900 €) oder der Sessel Bolia Aura (Stoff, Drehfuß, ca. 500–800 €). In sehr großen Ankleideräumen ab ca. 12 m² macht ein Sessel neben dem Spiegel eine hervorragende Figur.
Praxis-Tipp: Kombiniere die Sitzbank mit einem kleinen Tabletttisch oder einem Wandhaken darüber — so entsteht eine Mini-Ankleidezone mit allem griffbereit. Für die Sitzgelegenheit im Ankleidezimmer gilt: Polsterstoff sollte waschbar oder zumindest abwischbar sein (Ausziehen von Schuhen und Kleidung hinterlässt Spuren). Samtstoff ist optisch top, aber empfindlich — Bouclé oder leichtes Leder sind pflegeleichter.


























