Warum der Flur als Home-Office-Standort unterschätzt wird
Wer an ein Home Office denkt, denkt zuerst an das Schlafzimmer, das Wohnzimmer oder – im Idealfall – ein separates Arbeitszimmer. Der Flur bleibt dabei fast immer außen vor. Das ist ein Fehler, denn der Flur bietet strukturelle Vorteile, die andere Räume nicht haben.
Erstens ist der Flur kein Aufenthaltsraum im klassischen Sinne. Das bedeutet: keine ablenkende Couch, kein Fernseher, keine Mitbewohner, die spontan dazwischen treten. Wer das Büro im Flur einrichtet, schafft eine natürliche Grenze zwischen Arbeit und Freizeit – ohne physische Tür.
Zweitens verfügen viele Flure in deutschen Altbautwohnungen über ungenutzte Wandflächen, Nischen oder sogar Abstellbereiche, die sich mit minimalem Aufwand in einen Arbeitsplatz verwandeln lassen. Eine Wandnische von 80 cm Breite und 40 cm Tiefe reicht für eine fest montierte Schreibtischplatte, die tagsüber als vollwertiger Laptop-Arbeitsplatz dient.
Drittens ist der Flur oft der einzige Raum, in dem ein kompakter Wandklapptisch installiert werden kann, ohne den Wohnbereich zu beeinträchtigen. Modelle wie der IKEA NORBERG Klapptisch (Maße: 74 × 60 cm, Preis: ca. 39 €) oder der WoodLand Wandklapptisch von Möbel-Jack (ca. 89 €) lassen sich bei Nichtbenutzung vollständig an die Wand klappen und sind im eingeklappten Zustand nur 15–20 cm tief.
Ein weiterer Vorteil: Flure sind in der Regel kürzer zu beheizen und haben weniger Fenster – was für konzentriertes Arbeiten ohne Blendung vorteilhaft sein kann. Mit einer guten Arbeitsplatzleuchte, beispielsweise der BenQ ScreenBar Halo (ca. 199 €) oder der Anglepoise Original 1227 (ca. 195 €), lässt sich ein blendfreier Arbeitsplatz schaffen, der ergonomischen Mindestanforderungen entspricht.
Kurz gesagt: Das Büro im Flur ist kein Kompromiss für Menschen ohne Platz – es ist eine bewusste Entscheidung für ein fokussiertes Arbeitsumfeld in der eigenen Wohnung.
Büro Flur gestalten: Planung in 5 Schritten
Bevor du Möbel kaufst oder bestellst, lohnt sich eine strukturierte Planung. Diese fünf Schritte helfen dir, Fehler zu vermeiden und das Maximum aus deinem Flur herauszuholen.
Schritt 1 – Maße aufnehmen: Miss die Breite, Tiefe und Höhe deines Flurs exakt aus. Wichtig: Der Durchgang muss nach Möblierung mindestens 60 cm breit bleiben (Empfehlung DIN 18040: mindestens 90 cm für barrierefreie Nutzung). Notiere außerdem Steckdosen-Positionen und den Abstand zur nächsten Lichtquelle.
Schritt 2 – Nutzungstyp festlegen: Arbeitest du täglich mehrere Stunden (Typ: Vollzeit-Remote) oder nur gelegentlich (Typ: Gelegenheitsnutzer)? Vollzeit-Nutzer benötigen ergonomischere Lösungen – mindestens einen Stuhl mit Lendenwirbelstütze und eine Tischtiefe von 60 cm. Gelegenheitsnutzer kommen mit einem Klapptisch und einem guten Barhocker aus.
Schritt 3 – Stauraumbedarf klären: Wie viele Büromaterialien müssen griffbereit sein? Für reine Laptop-Arbeit reicht ein Hängeregal. Wer mit Akten, Druckern und mehreren Monitoren arbeitet, braucht ein Sideboard oder ein wandmontiertes Schranksystem.
Schritt 4 – Beleuchtungskonzept erstellen: Flure haben selten Tageslicht. Eine Kombination aus einer Deckenleuchte (mind. 400 Lux) und einer Schreibtischleuchte (mind. 500 Lux auf der Arbeitsfläche, empfohlen von der DGUV) ist das Minimum. LED-Lichtleisten an der Unterseite von Wandregalen sind eine platzsparende Ergänzung.
Schritt 5 – Budget definieren: Klapptisch-Lösungen starten bei unter 50 €. Ein vollständiges Setup mit Sekretär, Stuhl und Leuchte ist ab ca. 300 € realisierbar. Premium-Setups mit höhenverstellbarem Tisch und ergonomischem Stuhl beginnen bei 800 €. Lege dein Budget fest, bevor du online bestellst – so filterst du Angebote gezielter.
Schreibtisch im Flur: Welcher Typ passt wohin?
Der Schreibtisch ist das Herzstück jedes Büros – auch im Flur. Hier gibt es vier Grundtypen, die sich für schmale Raumsituationen eignen.
TYP 1 – Wandklapptisch: Der platzsparendste Ansatz. Modelle wie der IKEA NORBERG (74 × 60 cm, ca. 39 €), der Tectake Wandklapptisch in Weiß (80 × 40 cm, ca. 59 €) oder der ML-Design Wandtisch (100 × 40 cm, ca. 79 €) werden direkt an der Wand verschraubt und bei Nichtbenutzung hochgeklappt. Ideal für Flure ab 100 cm Breite, wenn der Tisch ausgeklappt werden soll, ohne den Durchgang zu blockieren.
TYP 2 – Sekretär: Der Sekretär verbindet Schreibtischfläche und Stauraum in einem Möbelstück. Beim Schließen verschwindet die Arbeitsfläche hinter einer Klappe – das Gerät sieht von außen wie ein Schrank aus. Empfehlungen: Vicco ELIAS Klappsekretär in Weiß (55 × 100 × 35 cm, ca. 119 €, erhältlich bei Otto), der Tvilum Skip Sekretär (ca. 139 €) oder der Maja Möbel Sekretär Komfort (ca. 179 €). Sekretäre passen ab einer Tiefe von 35 cm in schmale Flure.
TYP 3 – Wandmontierte Schreibtischplatte: Für Nischen ideal. Hier wird eine Spanholz- oder MDF-Platte (z.B. IKEA KARLBY Arbeitsplatte, 186 × 63,5 cm, ca. 119 €) auf Wandkonsolen (z.B. IKEA ELLOVEN, ca. 35 € das Paar) montiert. Das gibt maximale Flexibilität bei Maßen und Höhe – und ist der günstigste Weg zu einer stabilen, tiefen Arbeitsfläche.
TYP 4 – Schmaler Bürotisch: Wer einen klassischen Schreibtisch bevorzugt, sollte auf Modelle mit einer Tiefe von maximal 50 cm setzen. Der Hammerbacher Schreibtisch Serie E (160 × 50 cm, ca. 149 €) oder der Palmberg Joker Schreibtisch (140 × 50 cm, ca. 189 €) sind typische Vertreter, die im deutschen Bürohandel erhältlich sind. Im Vergleich zu Standard-Schreibtischen (80 cm Tiefe) sparen diese Modelle fast die Hälfte der Stellfläche.
Wichtig beim Kauf: Achte auf eine Belastbarkeit von mindestens 30 kg, eine robuste Wandbefestigung (bei Klapptischen) und eine Oberfläche, die pflegeleicht ist – im Flur ist Staub und Alltagsnutzung intensiver als im geschlossenen Arbeitszimmer.
Stauraum und Regale im Flur-Büro clever planen
Ein funktionierendes Büro im Flur gestalten bedeutet mehr als nur einen Tisch aufstellen. Stauraum ist entscheidend, damit der Arbeitsbereich nach Feierabend nicht wie ein Chaos aussieht – und damit der Flur seiner Funktion als Eingangsbereich treu bleibt.
Wandregal-Systeme: Das IKEA Kallax Regal (2×2, 77 × 77 cm, ca. 49 €) ist ein Klassiker, der sich auch im Flur bewährt. Kombiniert mit Kallax-Einsätzen (Türen, Körbe) lässt sich Büromaterial diskret verstauen. Alternativ bietet das String Pocket Regal (50 × 50 cm, ca. 99 €, erhältlich bei Breuninger) eine designorientiertere Lösung für kleinere Flächen.
Schwebende Hängeregale: Für den Schreibtisch im Flur ideal sind wandmontierte Schwebregale, die oberhalb der Arbeitsfläche angebracht werden. Das IKEA LACK Wandregal (110 × 26 cm, ca. 12 €) ist ein günstiger Einstieg. Premium-Alternativen wie das Tenzo Domo Hängeregal (Eiche massiv, ca. 89 €) fügen optische Wärme hinzu.
Höhenausnutzung: Im Flur ist Wandfläche oft raumhoch verfügbar. Nutze diese für deckenhohe Regalsysteme, beispielsweise das IKEA PAX-System (bis 236 cm, ab 99 €) mit offenen Fronten oder das Besta-System (ab 59 €). Hinter geschlossenen Türen verschwindet der Büroinhalt komplett – der Flur wirkt wieder wie Flur.
Unter dem Tisch: Rollcontainer wie der Hammerbacher Rollcontainer RC3 (ca. 129 €) oder der Ikea ALEX Schubladencontainer (ca. 99 €) passen unter Klapptische oder wandmontierte Platten und bieten drei bis sechs Schubladen für Büromaterial. Sie lassen sich bei Bedarf herausschieben und nachts in eine Ecke rollen.
Kabel-Management: Gerade im Flur, wo Kabel sonst offen über den Boden laufen, sind Kabelkanäle und -boxen essenziell. Die JOTO Kabelmanagement-Box (ca. 19 €) oder Kabelkanal-Leisten von d-line (ca. 15 €) halten Ladekabel, Netzteile und Steckerleisten geordnet und verhindern Stolperfallen.
Beleuchtung und Akustik: Ergonomie auch ohne Fenster
Der größte Nachteil eines Flur-Büros ist in den meisten Wohnungen das fehlende Tageslicht. Flure haben selten Fenster – umso wichtiger ist ein durchdachtes Beleuchtungskonzept, das Ermüdung und Augenbelastung minimiert.
Die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) empfiehlt für Bildschirmarbeitsplätze mindestens 500 Lux auf der Arbeitsfläche bei einer Farbtemperatur von 4.000–6.500 K (neutralweiß bis tageslichtweiß). Diese Anforderungen lassen sich im Flur durch eine Kombination aus Deckenleuchte und Schreibtischleuchte erreichen.
Empfohlene Schreibtischleuchten: Die BenQ ScreenBar (ca. 109 €) und das Upgrade-Modell ScreenBar Halo (ca. 199 €) sind Monitor-Lichtleisten, die den Bildschirm ausleuchten ohne Reflexionen zu erzeugen – ideal bei beengten Platzverhältnissen. Die Anglepoise Original 1227 (ca. 195 €) ist ein Design-Klassiker mit hervorragender Lichtqualität. Günstiger Einstieg: Leitz Smart LED Desk Lamp (ca. 49 €) mit dimmbarer Helligkeit und USB-Ladeanschluss.
Deckenleuchten mit Tageslicht-Simulation: Produkte wie das Philips Hue White Ambiance Starter-Set (ca. 89 €) erlauben es, Farbtemperatur und Helligkeit per App zu steuern. So kannst du morgens waches, kühles Licht (6.500 K) und abends warmes Licht (2.700 K) einstellen – auch ohne natürliches Fenster.
Akustik: Flure sind oft hallig, weil Wände und Böden hart und reflektiv sind. Für Videokonferenzen empfehlen sich akustische Maßnahmen: ein Schallabsorber-Panel (z.B. Addictive Sound quadratisch 60 × 60 cm, ca. 29 €/Stück), ein Teppich im Arbeitsbereich sowie ein hochwertiges Headset. Das Jabra Evolve2 55 (ca. 299 €) mit aktiver Geräuschunterdrückung ist eine professionelle Wahl, das Plantronics Voyager Focus 2 (ca. 149 €) eine günstigere Alternative.
Klimateisierung: Da Flure wenig belüftet sind, lohnt ein kleiner Ventilator (z.B. Stadler Form Roger Tischventilator, ca. 59 €) oder ein Luftreiniger (Philips AC1715, ca. 99 €), der gleichzeitig frische Luft zirkuliert.


























