Was macht eine Vase zur echten Vintage-Vase?
Der Begriff vintage ist in der Wohnwelt weit gefasst. Ursprünglich stammt er aus der Weinsprache und bezeichnet einen Jahrgang mit besonderer Qualität. Auf Vasen übertragen meint er heute zwei Dinge gleichzeitig: erstens tatsächliche Antiquitäten oder Sammlerstücke aus vergangenen Jahrzehnten, zweitens neu produzierte Stücke, die bewusst Formen und Glasuren der Nachkriegszeit imitieren.
Bei echten vintage Vasen — also Originalen — gelten die 1950er bis 1970er Jahre als die wichtigste Ära. In dieser Zeit produzierten westdeutsche Töpfereien wie Scheurich Keramik (Kleinheubach), Bay Keramik (Ransbach-Baumbach), Ruscha Keramik und Dümler & Breiden massenhaft Gebrauchskeramik, die heute Sammlerstücke sind. Erkennungszeichen sind eingeprägte Stempel auf dem Boden (z.B. SCHEURICH GERMANY + vierstellige Modellnummer), handaufgetragene Schlickerdekor-Reliefs, sogenannte Laufglasuren und die charakteristischen Erdtöne in Kombination mit schwarz-weißen Akzenten.
Neu produzierte Vasen im Retro-Stil — oft als vase retro oder retro Vasen aus Keramik vermarktet — greifen diese Ästhetik auf, ohne den Vintage-Authentizitätsanspruch zu erheben. Marken wie House Doctor (Dänemark), Bloomingville, Boltze, Kahkahla (Thüringen) oder Villeroy & Boch Manufacture Rock bieten solche Kollektionen an. Der Vorteil: konstante Verfügbarkeit, keine Transportschäden durch alte Risse, und oft deutlich niedrigerer Preis.
Die Unterscheidung ist kaufentscheidend. Wer ein echtes Originalstück aus den 1960er Jahren sucht, kauft auf Flohmärkten, bei eBay Kleinanzeigen, bei Etsy-Händlern oder in Vintage-Shops — und muss auf Zustand, Stempel und Provenienz achten. Wer einen optisch ähnlichen Wohneffekt sucht, ohne Authentizitätsrisiko, ist bei modernen Retro-Kollektionen besser aufgehoben. Beide Wege haben ihre Berechtigung.
Retro Vasen aus Keramik: Stile, Formen und Glasuren im Überblick
Retro Vasen aus Keramik lassen sich nach Epochen und Stilmerkmalen sortieren — das hilft beim gezielten Kauf erheblich.
DER 50ER-STIL: Organische, bauchige Formen mit schmalem Hals, oft in Pastellfarben wie Mintgrün, Hellrosa oder Creme. Typische Vertreter sind Tulpenvasen und pilzartige Kugelvasen. Marken wie Hutschenreuther oder die Schlossberg-Keramik (Marktredwitz) produzierten in dieser Zeit charakteristische Wohnkeramik. Neu produzierte Pendants findest du heute bei Depot oder im Westwing-Sortiment.
DER 60ER-STIL: Geometrischer, klarer. Zylindrische Formen, Trapez-Silhouetten, starke Farbkontraste in Knallgelb, Kobaltblau oder Signalorange. Bay Keramik-Modelle aus dieser Zeit — erkennbar am Bodenaufdruck BAY W. GERMANY — erzielen auf Sammlermärkten heute 20 bis 80 €. Neu im Handel: House Doctor Collum-Vasen oder die HAY Kink-Vase aus Dänemark.
DER 70ER-STIL: Erdtöne dominieren — Ocker, Braun, Olivgrün, Terrakotta. Strukturierte Oberflächen mit eingeritzten Rillen, Ledereffekt-Glasuren oder Wulstring-Dekor. Scheurich 400er-Serien und Ruscha Zylindervasen sind Klassiker. Aktuell neu erhältlich: die Bloomingville Thea-Kollektion oder Bitz Stoneware-Vasen in ähnlichen Farbwelten.
DER 80ER-STIL: Postmoderne Einflüsse, Memphis-Design-Inspirationen. Asymmetrische Formen, Farbblocking, glänzende Glasuren kombiniert mit matten Flächen. Weniger verbreitet im Vintage-Markt, aber als vase retro in modernen Sortimenten wie Villeroy & Boch Manufacture oder Räder Design präsent.
MATERIAL-HINWEIS: Echte Vintage-Keramik ist meist Steingut (Irdenware mit opaker Glasur) oder Steinzeug (dichter gebrannt, schwerer). Neue Retro-Vasen aus Keramik nutzen häufig Dolomit-Steingut (leichter, günstig herzustellen) oder Steinzeug-Qualität (Stoneware, schwerer und haltbarer). Für eine blumenvase vintage, die auch als Schnittblumenvase genutzt wird, empfiehlt sich Steinzeug — es ist weniger porös und leichter zu reinigen.
Bodenvase Vintage: Wenn ein Stück einen ganzen Raum definiert
Eine bodenvase vintage ist keine gewöhnliche Dekoration — sie ist Raumgestaltung. Stücke ab 50 cm Höhe verändern die Proportion eines Zimmers, betonen Raumhöhe und setzen Akzente, die selbst ohne Blumen oder Trockenäste wirken.
BELIEBTE FORMEN: Die klassische Amphoren-Form mit beidseitigen Henkeln stammt ursprünglich aus der Antike, wurde aber in den 1960er und 1970er Jahren als Wohnkeramik neu interpretiert. Zylindrische Bodenvasen mit strukturierter Oberfläche (Rillen, Strichmuster, Reliefdekor) sind der zweite große Klassiker. Dann gibt es die bauchige Kugel-Bodenvase — besonders markant in Terrakotta oder glasiertem Steinzeug.
GRÖSSEN UND GEWICHTE: Eine vintage Vase groß beginnt bei ca. 40 cm und reicht bis zu 80-100 cm bei bestimmten Manufaktur-Stücken. Gewicht: 1,5 bis 8 kg je nach Material. Keramik-Bodenvasen sind schwerer als Bodenvasen aus Polyresin (Kunstharz), die Vintage-Optik imitieren, aber deutlich günstiger sind. Polyresin-Varianten in Terrakotta-Optik gibt es bei Butlers ab ca. 29 €; echte Steinzeug-Bodenvasen beginnen bei ca. 59 € (z.B. Bloomingville Magnus-Vase, ca. 65 cm, Steinzeug, ca. 79 €).
PLATZIERUNG: In Wohnzimmer-Ecken neben Sofa oder Bücherregal, im Flurbereich als Empfangs-Akzent, neben großen Fenstern mit Trockenästen oder Pampasgras gefüllt. Der Stylingtipp der Interior-Profis: Nie einzeln stellen — mindestens zwei Bodenvasen unterschiedlicher Höhe gruppieren, idealerweise in abgestimmten Farben mit leicht unterschiedlicher Textur.
PRODUKT-EMPFEHLUNGEN (Preise Stand 2024/25): Depot Bodenvase Aila (Steinzeug, 55 cm, Olivgrün, ca. 49 €), Westwing Collection Bodenvase Freya (Terrakotta-Steinzeug, 60 cm, ca. 89 €), Bloomingville Magnus Bodenvase (Keramik, 65 cm, ca. 79 €), Boltze Bodenvasen-Set Malika (2-teilig, Keramik, 40+55 cm, ca. 65 €). Für ein höheres Budget empfiehlt sich die Kahla Scherbe.gut-Kollektion oder handgemachte Einzelstücke von WAUW Design (Dänemark).
Vintage Blumenvase und Blumenvasen Vintage: Funktion trifft Ästhetik
Eine vintage blumenvase oder blumenvase vintage muss mehr können als gut aussehen: Sie muss wasserdicht sein, eine standfeste Basis haben und das Verhältnis von Öffnungsweite zu Vaseninnenraum muss zur Blumensorte passen.
WASSERDICHTIGKEIT: Alte Scheurich- oder Bay-Keramik-Vasen sind in der Regel innen glasiert und damit wasserdicht. Bei alten Volkskunst-Töpfen oder unglasiertem Steingut kann die Glasur porös sein — dann besser nur Trockenblumen oder Kunstblumen einsetzen. Bei neuen Retro-Vasen aus Steinzeug (Stoneware) ist Wasserdichtigkeit standardmäßig gegeben.
ÖFFNUNGSWEITE: Für üppige Schnittblumen-Sträuße (Rosen, Sonnenblumen, Pfingstrosen) brauchst du eine Öffnung von mindestens 8-12 cm Durchmesser. Klassische 70er-Vasen mit schmalem Hals (2-4 cm) eignen sich eher für einzelne Stiele oder Trockenblumen-Arrangements. Blumenvasen vintage im Tulpenformat haben dagegen eine gestufte, blütenförmige Öffnung.
KONKRETE MODELLE FÜR BLUMENLIEBHABER: - House Doctor Collum Vase (Steingut, verschiedene Höhen 17-28 cm, mehrere Farben, ca. 18-34 €): geradlinige Retro-Form, Öffnung 5-7 cm, ideal für Tulpen und einzelne Dahlien. - Bloomingville Thea Vase Set (Steinzeug, 3-teilig, Höhen 14/20/26 cm, Sandfarben/Braun, ca. 55 €): als vintage vasen set komplett einsetzbar, gut geeignet für gemischte Trocken- und Frischblumen-Arrangements. - Bitz Stoneware Vase (Steinzeug, verschiedene Größen 12-25 cm, Schwarz/Matt, ca. 19-39 €): schlichte 70er-Optik, hohe Haltbarkeit, spülmaschinengeeignet. - Räder Design Vase Papier (Papiermaché, nur Trockenblumen, ca. 22 €): nicht wasserdicht, aber als blumenvase vintage für Trockenblumen optisch sehr authentisch. - WMF Vintage-Glasvase (Pressglas, 22 cm, strukturierte Oberfläche, ca. 29 €): Glasvariante für einen anderen Retro-Look — Pressglas-Reliefmuster wie Diamanten oder Waben sind typisch für 60er/70er-Jahre-Glas.
PFLEGETIPPS: Steinzeug-Vasen lassen sich mit warmem Wasser und Spülmittel reinigen; enge Hälse mit einer Flaschenbürste. Originale Vintage-Keramik niemals in die Spülmaschine — die alten Glasuren können ausbleichen oder abplatzen.
Wertvolle Vasen erkennen und gezielt kaufen
Wertvolle Vasen aus dem Vintage-Bereich sind ein eigenes Sammelgebiet. Während viele Retro-Vasen günstige Alltagsware waren, gibt es Stücke, die heute hohe dreistellige oder sogar vierstellige Eurobeträge erzielen — und entsprechend teuer beim Kauf sind.
WELCHE MARKEN SIND WERTVOLL? Erstens: Rosenthal Studio-Linie (Selb, Bayern) — insbesondere Entwürfe von Bjørn Wiinblad oder Tapio Wirkkala aus den 1960er/70er Jahren. Eine signierte Wiinblad-Vase kann 200-800 € erreichen. Zweitens: KPM Berlin (Königliche Porzellan-Manufaktur) — handbemalte Einzelstücke aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert erzielen auf Auktionen 300-2.000 €. Drittens: Meissen (Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen) — blaues Zwiebelmuster oder aufwendige Blumenmalerei, Preisbereich 150-5.000 € je nach Alter und Dekor. Viertens: Scheurich Laufglasur-Sonderserien (z.B. die Série Rustique oder die Fat Lava-Stücke) — auf Etsy und eBay für 40-200 €.
FAT LAVA-VASEN: Ein besonders begehrtes Sammel-Segment sind die sogenannten Fat Lava Vasen — westdeutsche Keramik der 1960er/70er mit dicken, blasigen, lavaähnlichen Glasuren. Hersteller wie Roth Keramik, Ruscha, Kreutz Keramik oder Bay Keramik sind hier führend. Preise für einwandfreie Fat Lava Exemplare: 30-300 € je nach Größe, Seltenheit und Erhaltungszustand.
WORAN ERKENNE ICH DEN WERT? Bodenmarkierung: Eingeprägte oder aufgedruckte Hersteller-Stempel plus Modellnummer. Form und Glasur: Außergewöhnliche, seltene Glasur-Kombinationen (Mehrfarbig-Laufglasur, Krakelee, Metallic-Effekte). Zustand: Keine Chips, Risse oder Restaurierungen (prüfe im Durchlicht auf Haarrisse). Größe: Größere Stücke sind seltener und wertvoller. Dokumentation: Originaler Kaufbeleg, Ausstellungskatalog oder Auktions-Zertifikat erhöhen den Wert.
WO KAUFEN? Für wertvolle Vasen als Sammelobjekte: Auktionshäuser wie Dorotheum (Wien), Quittenbaum (München) oder online über Catawiki. Für den gehobenen Vintage-Alltag: spezialisierte Etsy-Händler mit Echtheitszertifikat, lokale Antiquitätenhändler oder kuratierte Vintage-Shops wie Pamono.de (Designklassiker, Preise ab ca. 50 €).


























