Was ist Contemporary Style — Definition und Abgrenzung
Der Begriff contemporary style wird im deutschen Wohnmarkt oft mit modernem Stil gleichgesetzt, bezeichnet aber etwas Spezifischeres. Während modern style auf eine konkrete Design-Ära verweist — grob die 1920er bis 1970er Jahre mit Bauhaus, Ulmer Schule und skandinavischem Funktionalismus — ist contemporary immer das Jetzt. Das zeitgenössische Design von 2024 integriert Nachhaltigkeitsaspekte, digitale Fertigungstechnologien und hybride Materialien, die noch vor zehn Jahren nicht existierten.
Praktisch bedeutet das: Ein Möbelstück im contemporary style zeigt keine historischen Ornamente, kein aufgesetztes Retro-Styling. Stattdessen dominieren geometrische Klarheit, saubere Kanten und durchdachte Proportionen. Oberflächen sind oft matt oder satiniert — Hochglanz ist in reinen Contemporary-Konzepten eher selten. Die Farbpalette reicht von Warmweiß und Greige über Taupetöne bis zu tiefen Akzentfarben wie Petrol, Senfgelb oder Moosgrün, immer in Verbindung mit Naturmaterialien.
Abgrenzung zu verwandten Stilen: Minimalism reduziert stärker und verzichtet auf Akzente. Scandinavian Design arbeitet wärmer und holzlastiger. Industrial Style lebt von rohen, unfertigen Oberflächen. Der moderner Einrichtungsstil im contemporary Verständnis verbindet alle drei: er ist warm genug für den Alltag, clean genug für den ästhetischen Anspruch, und material-ehrlich genug für einen modernen Lebensstil.
Wichtig für den Kauf: Contemporary furniture muss keine Designerware sein. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Proportionen, Materialqualität und Farbhaltung — nicht das Label. Marken wie IKEA (STOCKHOLM-Serie), Muuto, HAY und Menu liefern im Preissegment 200 bis 2.000 € überzeugende Ergebnisse.
Die wichtigsten Merkmale im Überblick: Formen, Farben, Materialien
Wer contemporary design konsequent umsetzen möchte, sollte die drei Kernachsen kennen: Form, Farbe, Material. Erst wenn alle drei übereinstimmen, entsteht ein kohärentes Raumkonzept.
FORMSPRACHE: Geradlinig, aber nicht kalt. Contemporary style bevorzugt rechteckige Grundformen mit soften Details — leicht gerundete Kanten, sanft geschwungene Rückenlehnen, konische Beine. Streng geometrische Härte wie im Brutalismus wird vermieden. Beispiel: Das Sofa BoConcept Indivi 2 zeigt exakt diese Balance: ein Modulsofa mit klarer Silhouette, aber abgerundeten Armlehnen und einem optisch leichten Fußgestell aus pulverbeschichtetem Stahl.
FARBPALETTE: Neutral als Basis, Akzent als Statement. Wände in Warmweiß oder Hellgrau, Möbel in Greige, Taupe, Anthrazit oder Naturholztönen. Akzente in maximal zwei Farben — etwa Terrakotta und Olivgrün oder Petrol und Naturleinen. Hochglanzfarben wirken im contemporary style-Konzept meist fehl am Platz.
MATERIALEN: Konkret, ehrlich, kombiniert. Eiche geölt, Nussbaum furniert oder massiv, matter Beton (als Tischplatte oder Sideboard-Oberfläche), gebürstetes Messing, schwarzes Pulver-Stahl, Leinen und strukturierte Wolle. Glas kommt als Klarglas oder Rauchglas zum Einsatz. Kunstleder in Naturfarben ist im Mittelpreissegment eine funktionale Alternative zu Echtleder.
Verhältnis Masse zu Raum: Contemporary furniture erscheint visuell leicht, auch wenn sie massiv gebaut ist. Das erreichen Hersteller durch hohe, schlanke Beine, freigestellte Korpusse und helle Materialfarben. Ein schweres Massivholz-Sideboard wirkt contemporary, wenn es auf Metallfüßen steht und die Wandfläche über ihm frei bleibt.
Akzentmöbel und Dekoration: Weniger ist mehr — aber nicht nichts. Ein gezielt gesetzter Sessel in Akzentfarbe, eine Stehleuchte mit skulpturaler Form (etwa Flos Arco oder Nordlux Contina) oder ein großformatiges Kunstwerk an weißer Wand vervollständigen das Konzept, ohne es zu überladen.
Contemporary Furniture: Welche Möbelkategorien prägen den Stil
Zeitgenössisches Design lebt von der Konsistenz über alle Möbelkategorien. Dennoch gibt es Schlüsselstücke, die das Gesamtbild stärker prägen als andere.
DAS SOFA — Dreh- und Angelpunkt: Das Sofa ist das dominant sichtbare Möbelstück im Wohnzimmer und entscheidet in zeitgenössisch eingerichteten Räumen mehr als jedes andere Element über Stimmung und Qualitätseindruck. Contemporary sectional-Sofas — also Modulsofas mit L- oder U-Form — sind besonders gefragt, weil sie Großzügigkeit und Flexibilität verbinden. Empfehlenswerte Modelle: Westwing Collection Malia (Modulsofa, Webstoff, ab ca. 1.299 €), IKEA SÖDERHAMN (Modulsofa, Einstiegspreis ab ca. 599 €), Kave Home Compo (Ecksofa mit Metallbeinen, ab ca. 1.099 €).
ESSZIMMERTISCH UND STÜHLE: Der Esstisch kombiniert im contemporary style-Konzept oft zwei Materialien — etwa eine Eichenholzplatte auf Metallgestell. Häufig zitierte Modelle: Muuto Linear Steel Table (Stahlrohr-Gestell, Linoleum-Platte, ab ca. 1.350 €), IKEA LISABO (Eschtisch furniert, ab ca. 179 €). Stühle: HAY AAC 16 (Polypropylen-Schale, Stahlgestell, ca. 280 € pro Stuhl), Vitra HAL (Gestell Nussbaum oder Esche, ab ca. 390 €).
SIDEBOARD UND AUFBEWAHRUNG: Im contemporary design ist Aufbewahrung oft verborgen — glatte Fronten ohne sichtbare Griffe, Push-to-Open-Mechanismus. Typische Modelle: Maisons du Monde Brodi (Eiche massiv, 4-türig, ca. 699 €), WestwingNow Hanna (Nussbaum-Optik, Metallbeine, ca. 549 €), BoConcept Lugano (maßkonfigurierbar, ab ca. 1.800 €).
BETT UND SCHLAFZIMMER: Niedrige Bettrahmen mit Polsterkopfteil in Leinenstoff oder Bouclé, Nachttische mit schlanken Beinen. HAY Pyramid Bed (Metallgestell, schlicht, ab ca. 850 €), IKEA TUFJORD (Polsterbett, mehrere Farboptionen, ab ca. 499 €).
LEUCHTEN: Pendelleuchten aus Metall oder Beton über dem Esstisch, Stehleuchten mit Bogenform. Nordlux Contina (Metall, mattschwarz, ca. 89 €), Muuto Unfold (Emaille, mehrere Farben, ca. 249 €).
Modern Contemporary: So richtest du Räume Schritt für Schritt ein
Modern contemporary als Einrichtungskonzept umzusetzen erfordert einen strukturierten Ansatz — sonst entsteht ein uneinheitliches Sammelsurium aus trendigen Einzelstücken ohne Gesamtkomposition.
SCHRITT 1 — RAUMPLANUNG: Contemporary style setzt auf offene Grundrisse oder zumindest auf optische Weitläufigkeit. Möbel werden freigestellt, nicht an Wände gerückt. Ein Sofa steht im Raum, davor ein Couchtisch, dahinter eine Konsole oder ein offenes Regal — das schafft Tiefe und Zonierung. Vor dem Kauf: Grundriss aufzeichnen, Laufwege freihalten (min. 80 cm), Blickachsen planen.
SCHRITT 2 — FARBKONZEPT: Zunächst Wände und Böden festlegen. Warmweißer Wandanstrich (z.B. Farrow & Ball Wimborne White oder Dulux Chantilly Lace) als neutrales Fundament. Parkett in Eiche natur oder geöltem Nussbaum als Bodenmaterial. Teppich in Greige oder Naturleinen als Zone-Definer.
SCHRITT 3 — ANKERMÖBEL WÄHLEN: Das wichtigste Möbelstück pro Raum (Sofa im Wohnzimmer, Esstisch im Essbereich, Bett im Schlafzimmer) als erstes kaufen und als Referenz für alle weiteren Entscheidungen nutzen. Materialton und Beinform als Leitmotiv übernehmen.
SCHRITT 4 — SCHICHTEN UND TEXTILIEN: Erst wenn Möbel stehen, Textilien einbringen: Kissen in zwei Texturen (glatt + strukturiert), Vorhänge in Leinenstoff, Wolldecke als Akzent. Textilien erwärmen den zeitgenössischen stil-Look, ohne ihn zu überladen.
SCHRITT 5 — LICHT UND AKZENTE: Tageslicht maximieren (helle Gardinen statt schwerer Vorhänge), Deckenleuchte mit Dimmer, Stehleuchte als Atmosphärelicht, Tischleuchten für punktuelle Akzente. Pflanzen (Feigenbaum, Philodendron, Pampas) als organisches Gegengewicht zur geometrischen Formensprache.
Häufiger Fehler: zu viele Akzentfarben oder zu viele verschiedene Holztöne. Contemporary design wirkt nur, wenn Materialien und Farbtöne innerhalb eines Raumes maximal drei Holzfamilien und zwei Metalltöne umfassen.
Marken und Hersteller im Vergleich: Wer liefert echten Contemporary Style
Der deutsche und europäische Markt bietet eine breite Auswahl an Marken, die contemporary furniture glaubwürdig umsetzen. Die Qualitätsunterschiede zwischen Einstiegs- und Premium-Anbietern sind erheblich — nicht immer zugunsten der teuren Marken.
MUUTO (Dänemark): Gehört zur Herman Miller-Gruppe, produziert in Europa und Asien. Stärken liegen in skulpturalen Leuchten, Stühlen und Wohnaccessoires. E7 Chair (Buche massiv, ca. 530 €) und Tip Table (Marmor/Stahl, ca. 370 €) sind ikonische contemporary design-Stücke. Verfügbar bei Connox und Ambientedirect.
HAY (Dänemark): Demokratisches Designlabel mit breitem Sortiment. Hochwertige Verarbeitung, faire Preise. AAC-Stuhlserie, About a Lounge Chair, Copenhague-Tischserie. Preise: 180 bis 1.200 € je Stück. Erhältlich bei WestwingNow und im eigenen Online-Shop.
BOCONCEPT (Dänemark): Stärke in konfigurierbaren Sofas und Schranksystemen. Indivi 2 Sofa (ab ca. 1.600 €), Carlton Sideboard (ab ca. 1.200 €). BoConcept hat stationäre Stores in Deutschland und einen gut ausgebauten Online-Konfigurator.
KAVE HOME (Spanien): Wachsendes europäisches Label mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Sofas, Esstische und Betten im moderner stil-Segment zwischen 400 und 1.500 €. Erhältlich bei Otto und direktem Online-Shop.
MAISONS DU MONDE (Frankreich): Breites Sortiment, nicht durchgehend contemporary — aber die Kollektionen Gaïa, Lund und Ruben treffen den Stil gut. Einsteigerfreundliche Preise (Sideboard ab ca. 399 €). Verfügbar bei Otto und eigenem Shop.
LIGNE ROSET (Frankreich): Premium-Hersteller, international anerkannt. Togo Sofa (Schaumstoff-Design-Klassiker, ab ca. 2.800 €), Multy Schlafsofa. Für gehobenes contemporary style-Budget.
VITRA (Schweiz): Designklassiker neu aufgelegt. Eames Plastic Chair, HAL Chair, Softshell Chair. Verfügbar bei Connox und Designcabinet. Preise: 300 bis 2.500 €.
IKEA (Schweden): Im Entry-Level unverzichtbar. STOCKHOLM, LISABO, SÖDERHAMN und TUFJORD-Serie bedienen contemporary style überzeugend unter 600 €. Qualität ist serienbedingt begrenzt, aber für Einstieg oder Ergänzung ideal.


























