Wie Gameplay-Aufnahme am PC funktioniert: Grundlagen kurz erklärt
Bevor du das bestes game aufnahmeprogramm installierst, lohnt ein Blick auf die Technik dahinter – denn sie bestimmt direkt, wie viel Leistung die Aufnahme kostet.
Ein Screen-Recorder greift auf den Grafikpuffer (Framebuffer) deines Spiels zu, komprimiert jeden Frame zu einem Video-Stream und schreibt diesen auf die Festplatte oder SSD. Dabei gibt es zwei grundlegende Encoding-Pfade: Software-Encoding (CPU) und Hardware-Encoding (GPU/iGPU).
SOFTWARE-ENCODING: Der x264-Encoder auf der CPU liefert die höchste Bildqualität bei vergleichbarem Bitrate-Budget, belastet aber je nach Preset 20–100 % eines CPU-Kerns zusätzlich. Bei einem Intel Core i9-13900K oder AMD Ryzen 9 7950X fällt das kaum auf; bei einem Mittelklasse-Prozessor wie dem Ryzen 5 5600 kann das bei anspruchsvollen Titeln wie Cyberpunk 2077 oder Alan Wake 2 zu spürbaren FPS-Einbrüchen führen.
HARDWARE-ENCODING: Nvidia NVENC (ab GTX 10-Serie, optimal ab RTX 20-Serie), AMD VCE/AMF (ab RX 400-Serie) und Intel Quick Sync (integriert ab 6. Gen Core) übernehmen die Kompression auf dedizierten Silizium-Blöcken der Grafikkarte. Der CPU-Overhead sinkt auf unter 5 %, die Bildqualität liegt etwas unter Software-Encoding – ist aber für Streaming und Let's Plays absolut ausreichend.
FORMATE UND CONTAINER: Die meisten Programme speichern in MP4 (H.264 oder H.265) oder MKV. H.265 (HEVC) liefert bei gleichem Bitrate-Budget deutlich kleinere Dateien als H.264, benötigt aber mehr Rechenleistung beim Abspielen und Schneiden. Für direkten Upload zu YouTube ist H.264/MP4 der unkomplizierteste Weg. Wer Rohmaterial für den Schnitt braucht, greift zu verlustfreiem AVI oder zu hohem Bitrate-H.264 (mind. 50 Mbit/s bei 1080p60).
AUFLÖSUNG UND FRAMERATE: 1080p60 ist 2024 der Standard für Let's Plays. 1440p60 und 4K30 sind möglich, treiben aber Dateigrößen und Encoding-Last spürbar in die Höhe. Für kurze Highlight-Clips genügt oft 1080p30, das selbst auf schwächerer Hardware problemlos läuft.
DATEIGRÖSSEN IM ÜBERBLICK: Bei 1080p60 mit H.264 und 30 Mbit/s entstehen ca. 225 MB pro Minute, bei 50 Mbit/s ca. 375 MB/min. Eine einstündige Session belegt also 13–22 GB – plane deine Speicherkapazität entsprechend.
OBS Studio: Das beste kostenlose Game-Aufnahmeprogramm im Detail
OBS Studio (Open Broadcaster Software) ist der unangefochtene Standard unter den kostenlosen Aufnahme- und Streaming-Tools für PC-Spieler. Die Open-Source-Software ist für Windows, macOS und Linux verfügbar, wird aktiv weiterentwickelt und unterstützt als bestes game aufnahmeprogramm ohne Kosten nahezu jeden Workflow.
FUNKTIONSUMFANG: OBS Studio bietet unbegrenzte Szenen und Quellen, unterstützt Nvidia NVENC, AMD AMF und Intel Quick Sync nativ, encodiert in H.264, H.265 und AV1 (ab OBS 29 mit RTX 4000-Serie oder RX 7000-Serie), nimmt Mikrofon, Desktop-Audio und einzelne App-Sounds getrennt auf und streamt direkt zu Twitch, YouTube, Facebook Gaming und anderen RTMP-Diensten. Der integrierte Bitrate-Regler, Noise-Gate, Compressor und EQ für Audio machen externe Tools für einfache Setups überflüssig.
SCHWÄCHEN: Die Lernkurve ist steil. Erstnutzer verbringen oft 1–2 Stunden mit Konfiguration, bevor die erste saubere Aufnahme steht. Es gibt keinen integrierten Schnitteditor – nach der Aufnahme braucht du ein separates Tool wie DaVinci Resolve (kostenlos) oder Adobe Premiere Pro (ab ca. 25 €/Monat).
EMPFOHLENE EINSTELLUNGEN für 1080p60 Gameplay-Aufnahme mit Nvidia NVENC: - Encoder: NVENC H.264 (new) - Rate Control: CQP, Wert 18–22 (niedriger = besser) - Keyframe-Intervall: 2 Sekunden - Preset: P5 (Quality) oder P6 (Slower) - Psycho Visual Tuning: aktiviert - GPU: 0 (primäre GPU) - Max B-Frames: 2
PREIS: kostenlos, keine Wasserzeichen, keine Zeitbegrenzung.
IDEAL FÜR: fortgeschrittene Nutzer, Streamer, alle mit Nvidia RTX, AMD RX oder Intel Arc GPU, die maximale Kontrolle ohne Kosten wollen.
Nvidia ShadowPlay und AMD ReLive: Hersteller-Tools im Test-Vergleich
Wer eine Nvidia- oder AMD-Grafikkarte besitzt, hat bereits ein leistungsfähiges Aufnahme-Tool auf dem System – kostenlos und tief ins Treiber-System integriert.
NVIDIA SHADOWPLAY (GeForce Experience): ShadowPlay ist Bestandteil der GeForce Experience-Software und nutzt ausschließlich den NVENC-Encoder der GPU. Das wichtigste Feature ist der Instant-Replay-Modus: ShadowPlay puffert konstant die letzten 30 Sekunden bis 20 Minuten im Hintergrund. Drückst du Alt+F10, speichert das Tool den Clip rückwirkend – ideal für unerwartete Epic-Momente. Der CPU-Overhead liegt unter 2 %. Auflösungen bis 4K60 und HDR werden unterstützt. Schwäche: kein manueller Bitrate-Regler in der Standard-GUI, keine Szenen-Verwaltung, kein Streaming zu eigenen RTMP-Servern ohne Umweg.
AMD RADEON RELIVE (jetzt AMD Software: Adrenalin Edition): ReLive arbeitet analog zu ShadowPlay, nutzt den AMF-Encoder und bietet ebenfalls Instant-Replay, Desktop-Overlay und direktes Streaming zu Twitch. Die Encoder-Qualität der RX 7000-Serie ist 2024 deutlich besser als frühere Generationen – AV1-Hardware-Encoding ist ab RX 7600 verfügbar. Schwäche: Stabilität und Kompatibilität mit bestimmten Spielen bleibt hinter OBS zurück.
XBOX GAME BAR (Windows 10/11 integriert): Die Xbox Game Bar (Win+G) bringt einen simplen Recorder mit, der auf Wunsch automatisch die letzten 30 Sekunden speichert. Maximale Auflösung: 1080p60. Keine Bitrate-Kontrolle, keine Streaming-Funktion. Für schnelle Clips ohne Installation aber praktisch.
VERGLEICH DER HERSTELLER-TOOLS: - Instant Replay: alle drei bieten es - 4K-Unterstützung: ShadowPlay und ReLive ja, Game Bar nein - AV1-Encoding: ShadowPlay (RTX 4000), ReLive (RX 7600+) - CPU-Overhead: alle unter 3 % - Preis: alle kostenlos
FAZIT: ShadowPlay ist für Nvidia-Nutzer die beste Ergänzung zu OBS für den Instant-Replay-Fall. Als primäres Aufnahmeprogramm empfiehlt sich OBS wegen der überlegenen Konfigurierbarkeit.
Bandicam, Mirillis Action! und Fraps: Kostenpflichtige Alternativen im Vergleich
Nicht jeder will sich durch OBS-Menüs kämpfen. Kostenpflichtige Programme bieten oft eine schlankere Bedienoberfläche, integrierten Schnitt und Support – dafür kostet das etwas.
BANDICAM (Bandisoft): Bandicam ist seit Jahren eines der meistgekauften Gameplay-Aufnahmeprogramme für Windows. Die Software unterstützt DirectX 9–12, OpenGL und Vulkan, encodiert via Nvidia NVENC, AMD VCE oder Intel Quick Sync und nimmt in H.264, H.265 oder im verlustfreien Bandicam-eigenen Codec auf. Besonderheit: ein dedizierter Geräteanschluss-Modus für externe Capture Cards (z.B. Elgato HD60 X oder AVerMedia Live Gamer Portable 2 Plus). Die Wasserzeichen-freie Vollversion kostet ca. 39 € (Lifetime-Lizenz für einen PC). Die kostenlose Version ist auf 10 Minuten pro Clip und ein Wasserzeichen limitiert.
MIRILLIS ACTION! (Mirillis): Action! punktet mit einer aufgeräumten Oberfläche, zeitgesteuerter Aufnahme, einem integrierten Player und der Möglichkeit, direkt zu YouTube zu exportieren. Die Software unterstützt SuperSpeed Recording (Hardware-Encoding) und nimmt bis zu 4K120 auf – sofern die Hardware mitspielt. Ein Abo kostet ca. 7,99 €/Monat oder ca. 29,99 €/Jahr; eine Lifetime-Lizenz ist für ca. 49,99 € erhältlich. Schwäche: keine Linux-Version, Update-Häufigkeit geringer als OBS.
FRAPS (Beepa): Fraps ist ein Klassiker aus der Vor-YouTube-Ära. Das Tool nimmt im eigenen verlustfreien Codec mit sehr hohem Bitrate auf (bis zu 7 GB/min bei 1080p30!) und eignet sich daher nur als Rohmaterial-Quelle für erfahrene Cutter. FPS-Overlay ist eine Stärke von Fraps. Die Vollversion kostet ca. 37 € (einmalig). Da Fraps keinen Hardware-Encoder unterstützt, ist der CPU-Overhead erheblich – für moderne Systeme kaum noch empfehlenswert.
CAMTASIA (TechSmith): Camtasia kombiniert Screen Recording mit einem vollständigen Video-Editor. Das macht es ideal für Tutorial-Creator, Produktdemos und Lernvideos – weniger für reines Gameplay-Recording. Die Lizenz kostet ca. 299 € (einmalig) oder ca. 199 €/Jahr. Für reine Gamer überdimensioniert, für Content Creator mit Schnitt-Bedarf interessant.
MOVAVI SCREEN RECORDER: Movavi bietet eine einfach bedienbare Oberfläche, Export in alle gängigen Formate und eine integrierte Schnittlösung. Die Jahres-Lizenz kostet ca. 39,95 €, die Lifetime-Version ca. 59,95 €. Qualitativ solide, aber ohne Hardware-Encoder-Vorteil gegenüber OBS oder ShadowPlay.


























